Freie mikrochirurgische Lappenplastiken

 

Mikrochirurgie

Sicherheit, Form, Funktion und Ästhetik sind die Schlagworte, die unser Handeln in der rekonstruktiven Chirurgie bestimmen. An erster Stelle bei der Behandlung eines Defektes steht immer das Leben des Patienten und dann der Erhalt der Extremität unter Wiederherstellung der Form, Funktion und möglichst auch der Ästhetik. In den letzten drei Jahrzehnten gab es unglaubliche Fortschritte in der rekonstruktiven Chirurgie aufgrund der Entwicklung und Verbreitung der Mikrochirurgie. Durch die Einführung von Auflichtmikroskopen, feinsten chirurgischen Instrumenten und kleinstenm Nahtmaterial ist es möglich geworden an winzigen Strukturen wie Nerven und Gefäßen zu operieren. Die rekonstruktive Chirurgie steht häufig vor dem Problem, dass ein Defizit von Gewebe vorliegt. Nach der Entfernung von Tumoren oder aufgrund von Unfällen können große Defekte vorliegen, die einen entsprechenden Bedarf an Gewebeverlagerung nach sich ziehen. Versierte Plastische Chirurgen sind in der Lage an verschiedensten Regionen des Körpers Gewebe mit den entsprechenden blutversorgenden Gefäßen zu gewinnen. Dort wo das Gewebe benötigt wird, werden die Gefäße unter dem Mikroskop an so genannte Empfängergefäße angeschlossen. Dadurch findet in dem transplantierten Gewebe eine Blutzirkulation statt und der Defekt kann rekonstruiert werden. In der Mikrochirurgie wird an kleinsten Strukturen mit feinstem Instrumentarium operiert. Dies stellt den Plastischen Chirurgen vor höchste Anforderungen. Nicht umsonst wird die Mikrochirurgie als Königsdisziplin in der rekonstruktiven Plastischen Chirurgie angesehen. Mikrochirurgische Techniken setzen ein fundiertes und langes Training voraus und ist sind nur den talentiertesten Plastischen Chirurgen vorbehalten. Eine erfolgreiche Rekonstruktion wird an einer sicheren Defektdeckung mit simultaner Wiederherstellung von Form und Funktion unter Berücksichtigung von Ästhetik und Hebedefektmorbidität bewertet.

Dazu muss der Chirurg den Defekt analysieren und die rekonstruktiven Erfordernisse definieren. Er muss geeignete Hebestellen evaluieren und in der Lage sein über fundierte anatomische Kenntnisse und technisches Können die Operation durchzuführen. Früher hat man von der rekonstruktiven Leiter gesprochen. Dabei wurde die Mikrochirurgie als höchste Eskalationsstufe in der rekonstruktiven Chirurgie angesehen. Durch die Mikrochirurgie werden aber überragende rekonstruktive Ergebnisse erreicht. Auch sind  komplexe Verfahren in geübten Händen sicher, zuverlässig und komplikationsarm. Dies hat zu einem Wechsel der Denkweise geführt, dass nicht mehr die Einfachheit eines Verfahrens seine Anwendung bestimmt, sondern dass das gewünschte rekonstruktive Ziel die Methode bestimmt, egal wie komplex das Verfahren ist. Die rekonstruktive Mikrochirurgie ist somit nicht mehr das letzte Mittel der Wahl, sondern oft das erste, da dadurch überlegene Ergebnisse erzielt werden.

Defekte

Unsere Praxis ist spezialisiert auf die Brustrekonstruktion mit Eigengewebe. Hier wird die Brust nach der Entfernung des Drüsengewebes aufgrund von Brustkrebs (Mastektomie) simultan oder zu einem späteren Zeitpunkt mit Gewebe vom Bauch (DIEP-Lappenplastik), Gesäß (FCI-, s-GAP-, i-GAP-Lappenplastik) oder Oberschenkel (TMG-Lappenplastik) wieder hergestellt.

Durch Unfälle kann es passieren, dass große Defekte entstehen die nicht mehr einfach verschlossen werden können. Teilweise liegen Strukturen wie Knochen, Sehnen, Nerven und Gefäße frei, die durch eine gute Weichteilbedeckung geschützt werden müssen. Eventuell muss nicht allein eine Deckung erreicht werden, sondern es müssen funktionelle Strukturen ersetzt und rekonstruiert werden. Sind Nerven betroffen müssen diese durch Nerventransplantate ersetzt werden. Auch kann es nötig sein, Knochen- oder Sehnendefekte zu überbrücken. Der Defekt und der Funktionsverlust definieren sozusagen die rekonstruktiven Erfordernisse. Diese muss der Plastische Chirurg analysieren und die entsprechende Spenderstelle festlegen. Aber nicht nur durch Unfälle kann es zu großen Defekten kommen, die einen freien Gewebetransfer nötig machen. Auch durch Infektionen eventuell auf dem Boden einer Zuckerkrankheit kann es beispielsweise an den Füßen zu großen Defekten kommen. Eine Amputation der betroffenen Extremität kann im schlimmsten Falle drohen. Nach Säuberung der Wunde und Beherrschung der Infektion kann eine Defektrekonstruktion mittels freier mikrochirurgischer Lappenplastik die Rettung der Extremität bedeuten. Als Spenderregion kommen der Oberschenkel (ALT-, Gracilis-Lappenplastik), die Leiste (Leisten- oder CIS-Lappen), Oberarm (ELA-Lappen), Rücken (Latissimuslappen) oder andere in Frage. Die betroffenen Patienten werden interdisziplinär behandelt. In der Regel werden Plastische Chirurgen durch die primär betreuenden Abteilungen hinzugezogen. Als Belegärzte am Klinikum Dritter Orden in München-Nymphenburg arbeiten wir eng mit den Abteilungen für Unfall-, Allgemein-, und Kinderchirurgie zusammen.